Eine Fussbodenheizung gehört zu den angenehmsten Arten zu heizen: Gleichmässige Wärme im ganzen Raum, kein heisser Heizkörper an der Wand, niedrige Vorlauftemperaturen. Genau die Trägheit, die sie so behaglich macht, ist aber auch ihre grösste Schwäche. Sie reagiert langsam und lässt sich von Hand kaum sinnvoll steuern.
Dieser Beitrag zeigt, worauf es bei einer Bodenheizung wirklich ankommt: wie sie sich smart steuern lässt, was das in der Praxis bringt und welche vier Ausgangslagen es bei der Nachrüstung gibt. Fast immer ohne Baustelle.
An der Wand hängt ein kleines Rädchen. Das Thermostat der Bodenheizung. Bei den meisten wird es einmal im Herbst gedreht und dann den ganzen Winter nicht mehr angefasst.
Bodenheizungen reagieren so langsam, dass sich manuelles Nachjustieren kaum lohnt. Man stellt einen Wert ein, der ungefähr passt, und lässt ihn bis zum Frühling stehen. Geheizt wird dann oft auch dann, wenn niemand im Raum ist.
Genau hier setzt eine digitale Steuerung an. Sie ersetzt nicht die Heizung. Sie ersetzt das starre Rädchen durch ein System, das die Bodenheizung automatisch so regelt, dass die gewünschte Temperatur zur richtigen Zeit erreicht wird und der Rest nicht unnötig läuft.
Ein mechanisches Thermostat kennt nur einen Zustand:
Den, auf den es eingestellt wurde.
Es weiss nicht, ob der Raum genutzt wird. Es weiss nicht, dass eine Bodenheizung zwei Stunden braucht, bis sie reagiert. Und es kann nicht vorausplanen, wann vorgeheizt werden müsste, damit es rechtzeitig warm ist.
Ein smartes Thermostat übernimmt genau das. Es misst die Raumtemperatur, vergleicht sie mit dem Sollwert und steuert die Heizleistung selbstständig. Raum für Raum.
Sie geben nur an, wann es wo wie warm sein soll. Den Rest, inklusive der trägen Vorlaufzeit der Bodenheizung, rechnet das System selbst aus.
Das Ergebnis: Räume sind warm, wenn sie gebraucht werden. Und sie verbrauchen wenig, wenn sie leer stehen. Ohne dass jemand täglich an einem Rädchen drehen muss.
Im Moment selbst fällt das kaum auf. Es wirkt nicht wie ein Fehler, sondern eher wie ein normales Verhalten.
Doch genau das summiert sich.
Über Tage und Wochen entsteht daraus ein Kostenblock, der nie bewusst entschieden wurde, aber trotzdem jeden Monat auf der Abrechnung erscheint.
Der Satz, der am häufigsten fällt: «Meine Heizung ist doch viel zu alt dafür.» Und fast immer ist er falsch.
Eine Bodenheizung smart zu machen bedeutet nicht, den Boden aufzureissen und neu zu bauen. Es bedeutet, das vorhandene System intelligent zu steuern: Welche Räume genutzt werden, wann geheizt werden muss und wann nicht. Ob die Anlage aus den 80ern stammt oder aus dem letzten Jahr, spielt dabei meist keine Rolle.
Entscheidend ist nicht das Alter, sondern wie die Bodenheizung heute geregelt wird. Über den Heizverteiler, über Raumthermostate oder gar nicht. Und ob für eine Nachrüstung gespitzt werden muss, lässt sich fast immer mit Nein beantworten:
Die Kommunikation läuft über Funk (LoRaWAN, auch durch dicke Wände), die Steuerung über WLAN, LAN oder 4G/LTE. Keine eigene Infrastruktur vor Ort, keine Baustelle.
Eine häufige Sorge: Wenn ich die Bodenheizung zurückfahre, während ich weg bin, ist sie zu träge. Sie wird nie rechtzeitig wieder warm.
Bei manueller Bedienung stimmt das oft. Bei einer digitalen Steuerung nicht. Das System weiss, wann der Raum wieder genutzt wird, und beginnt früh genug, ihn auf Temperatur zu bringen. Sie kommen also nicht in einen kalten Raum, obwohl die Heizung während Ihrer Abwesenheit nur wenig gelaufen ist.
Der Effekt ist umso grösser, je länger ein Raum leer steht. Ein Wochenende, eine Ferienwoche, ein Büro übers verlängerte Wochenende. Genau dieses vorausschauende Timing kann ein Drehrädchen nicht leisten, ein smartes System schon. Es geht nicht darum, irgendwo zu frieren, sondern darum, nicht zu heizen, wo es niemand merkt.
Keine Bodenheizung ist wie die andere. Aber in der Praxis kommen immer wieder dieselben vier Situationen vor. Wer seine eigene wiedererkennt, weiss schon ungefähr, was möglich ist.
Klassischer Fall in vielen älteren Objekten:
Im Raum hängt nichts, geregelt wird, wenn überhaupt, direkt am Heizverteiler.
Das ist kein Problem, im Gegenteil. In den Verteiler kommt ein Master (z. B. LHS-MBw), die Räume bekommen batteriebetriebene Raumthermostate (z. B. LHS-TDA).
Der Vorteil: Strom braucht es nur im Heizverteiler, nicht in jedem Raum. Bei mehreren Verteilern lassen sich Relais ergänzen (LHS-R2/4/8), sodass bis zu rund 20 Räume an einem Master hängen. Erst danach kommt ein zweiter dazu.
Ergebnis: volle Einzelraumregelung, ohne in jedem Zimmer eine Wand zu öffnen.
Hier ist die Lösung am direktesten. Die bestehenden analogen Raumthermostate werden 1:1 durch smarte ersetzt (LHS-ST1), dazu ein Master (LHS-SBw), der das LoRaWAN-Funknetz aufbaut.
Alt raus, smart rein. Die Räume bleiben gleich, die Bedienung wird zentral – über App oder Webportal, mit überall der gleichen Ansicht, egal welches Heizsystem dahinter steckt.
Die häufigste Hürde bei Sanierungen: Im Bodenaufbau ist kein Platz mehr für zusätzliche Elektrorohre zum Heizverteiler. Viele denken hier, es gehe nicht.
Es geht. Der Master (LHS-MBw) wird mit smarten Thermostaten (LHS-ST1) kombiniert, die direkt am Strom hängen, ihre Befehle aber per LoRaWAN-Funk an den Heizverteiler senden. Kein zusätzliches Kabel, kein Spitzen, kein Eingriff in den Aufbau.
Hier wird nur das vorhandene Thermostat durch ein smartes ersetzt (LHS-HT). Der Raum ist digitalisiert. Im Prinzip wie bei einem Radiator.
Wichtig zu wissen: Bei dieser Variante läuft nur ein Heizkreis über das Thermostat. Hat ein Raum zwei Kreise, lässt sich der zweite so nicht steuern. In solchen Fällen ist der bessere Weg oft, alle Thermostate auf Maximum zu stellen und stattdessen über den Heizverteiler mit Stellantrieben und Raumsensoren zu arbeiten. Also zurück zu Ausgangslage 1.
Nicht jede Lösung passt zu jedem Raum. Aber für jeden Raum gibt es eine.
Der grösste Irrtum bei der Digitalisierung einer Bodenheizung ist die Vorstellung von Lärm, Staub und wochenlanger Baustelle. Genau das passiert in den allermeisten Fällen nicht.
Es muss nichts aufgespitzt werden, um neue Kabel zum Heizverteiler zu ziehen. Die Komponenten kommunizieren per Funk (LoRaWAN) das Signal trägt auch durch dicke Wände und über mehrere Stockwerke. Häufig genügt Strom im Heizverteiler; die Räume selbst bleiben unberührt. Eine eigene Internet-Infrastruktur vor Ort braucht es nicht: Die Anbindung läuft über WLAN, LAN oder 4G/LTE, je nachdem, was vorhanden ist.
Dazu kommt, dass sich die Komponenten gezielt auf die jeweilige Anlage abstimmen lassen. Fehlt in einem Raum ein Thermostat, wird ein batteriebetriebener Sensor ergänzt. Sind verschiedene Heizsysteme wie Bodenheizung mit Wasser im Wohnbereich, Radiatoren im Schlafzimmer oder eine elektrische Komfortheizung im Bad, dann lassen sie sich kombinieren und über dieselbe App bedienen. Die Ansicht bleibt für jeden Raum gleich, unabhängig davon, was technisch dahinter steckt.
Was nach grossem Umbau klingt, ist in der Praxis meist ein überschaubarer Eingriff am Heizverteiler. Genau das ist der Punkt, an dem sich Aufwand und Nutzen oft schon nach kurzer Zeit ausgleichen.
Jeder, der eine Dachwohnung kennt, kennt das Gefühl: Im Hochsommer staut sich die Hitze unters Dach, abends ist es im Schlafzimmer wärmer als draussen, und keine Lüftung bringt das wirklich weg.
Genau hier wird ein oft übersehener Punkt interessant. Wer heute die Bodenheizung digital nachrüstet und später eine Wärmepumpe installiert, die Freecooling kann, hat die Vorarbeit bereits gemacht. Es braucht nur einen Kontakt von der Wärmepumpe zum System und dieselbe Fläche, die im Winter heizt, kühlt im Sommer sanft über den Boden. Keine zweite Baustelle, keine Neuplanung.
Aus der überhitzten Dachwohnung wird so ein Raum, der auch im Sommer angenehm bleibt, über genau dasselbe System und dieselbe App, mit der im Winter geheizt wird. Das ist der Unterschied zwischen «eine Heizung steuern» und «ein Gebäude für das ganze Jahr vorbereiten».
Eine smart gesteuerte Bodenheizung bedeutet nicht Verzicht, sondern Kontrolle:
Ob Eigenheim, Ferienwohnung, Schulhaus, Büro oder Gemeindegebäude: Sobald mehrere Räume und Nutzer im Spiel sind, wird Heizen ohne digitale Übersicht teuer. Nicht aus Absicht, sondern aus Gewohnheit.
Sie wissen nicht, welche der vier Ausgangslagen auf Ihr Gebäude zutrifft? Genau dafür gibt es uns. Schicken Sie uns ein Foto Ihres Heizverteilers oder beschreiben Sie kurz Ihre Situation. Wir sagen Ihnen ehrlich, was bei Ihnen möglich ist und was es realistisch braucht.
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